Grundlagen

Hintergründe zum Projekt

Zukunftsorientiertes, verantwortungsbewusstes und nachhaltiges Handeln ist angesichts aktueller globaler gesellschaftlicher, ökologischer und wirtschaftlicher Herausforderungen wichtiger denn je. Bildung spielt dabei eine zentrale Rolle, denn sie befähigt Lernende, komplexe Zusammenhänge zu verstehen und verantwortungsbewusste Entscheidungen zu treffen.

Das Projekt „BNE-Lehrbausteine“ setzt genau hier an. Es stellt Lehr-Lernmaterialien bereit, die Themen nachhaltiger Entwicklung mit den Kompetenzen der Inner Development Goals (IDGs) sowie den Sustainable Development Goals (SDGs) verbinden. So wird sichtbar, welche Fähigkeiten, Haltungen und Perspektiven für nachhaltiges Handeln relevant sind und wie sie in unterschiedlichen Themenfeldern aufgegriffen werden können.

Was BNE bedeutet

Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) verfolgt das Ziel, Wissen, Werte und Kompetenzen zu fördern, die ökologische Tragfähigkeit, soziale Gerechtigkeit und wirtschaftliche Verantwortung miteinander verbinden. Sie unterstützt Menschen dabei, Gegenwart und Zukunft aktiv und verantwortungsvoll mitzugestalten.

Für die Lehrkräftebildung an der LMU ist BNE besonders bedeutsam. Denn angehende Lehrpersonen lernen hier, wie nachhaltige Entwicklung fachlich fundiert und zugleich alltagsnah in Schule und Unterricht eingebunden werden kann. Im Fokus steht dabei nicht nur die Themenwahl, sondern auch die methodische Gestaltung der Lehrveranstaltungen. Denn neben Fachkompetenzen werden im Sinne einer BNE immer auch personale und soziale Kompetenzen, Fähigkeiten und Fertigkeiten gefördert.

Orientierung der Lehrbausteine

Die Lehrbausteine orientieren sich an drei zentralen Bezugspunkten: den SDGs, den IDGs und den sogenannten Transformationsfeldern. Die SDGs beschreiben die globalen Ziele nachhaltiger Entwicklung. Die IDGs richten den Blick auf innere Fähigkeiten und Haltungen, die für wirksames Handeln wichtig sind. Die Transformationsfelder wiederum benennen gesellschaftliche Bereiche, in denen nachhaltige Veränderungen konkret gestaltet werden können.

Mit dieser Perspektive verbinden die Lehrbausteine fachliches Wissen mit persönlicher und sozialer Entwicklung. Das schafft Zugänge, die nicht nur informierend, sondern auch anregend und handlungsorientiert sind.

Themenvielfalt der SDGs

Die 17 Ziele nachhaltiger Entwicklung (Sustainable Development Goals, SDGs) sind Teil der UN-Agenda 2030. Sie sind politische Zielsetzungen der Vereinten Nationen, um als globale Weltgemeinschaft eine nachhaltige Entwicklung auf sozialer, ökologischer und ökonomischer Ebene anzustreben. Somit zeigen die SDGs verschiedene Themen auf, in denen nachhaltige Entwicklung passieren muss, damit auch zukünftig Menschen weltweit gut leben können.

Die IDGs im Blick

Die Inner Development Goals umfassen fünf übergeordnete Dimensionen mit insgesamt 23 Teilkompetenzen. Sie machen sichtbar, welche inneren Ressourcen Menschen und Organisationen brauchen, um nachhaltige Entwicklung aktiv zu gestalten.

Transformationsfelder

Die Lehrbausteine greifen Themen nachhaltiger Entwicklung entlang von sieben Transformationsfeldern auf. Dazu gehören Wohlstand und Konsum, Stadt und Land, Ressourcen, Mobilität, Ernährung, Energie sowie Industrie.

Diese Felder machen zentrale Fragen nachhaltiger Entwicklung sichtbar, weil hier gesellschaftliche Lebensbedingungen gestaltet und grundlegende Bedürfnisse organisiert werden. Dadurch lassen sich BNE-Inhalte fachbezogen und anschlussfähig in verschiedene Lehrveranstaltungen integrieren.

Im Folgenden finden Sie noch mehr Informationen zu den einzelnen Transformationsfeldern:

Wohlstand und Konsum

Angesichts begrenzter Ressourcen wird deutlich, dass das bisherige Verständnis von Wohlstand und Konsum an seine Grenzen stößt und neu gedacht werden muss. Technische Effizienz allein reicht nicht aus, da Einsparungen oft durch zusätzlichen Konsum wieder aufgehoben werden (Rebound-Effekt) und Wirtschaftswachstum bislang kaum vom Ressourcenverbrauch zu trennen ist. Zudem sind Vorstellungen von Wohlstand stark an materiellen Besitz gekoppelt, was ein Umdenken hin zu mehr Lebensqualität statt mehr Dingen erfordert (Suffizienz). Ansätze wie Entschleunigung, regionale Stärkung, bewusster Konsum und gemeinschaftliche Nutzung von Ressourcen zeigen konkrete Wege für einen nachhaltigeren Lebensstil auf. Gleichzeitig sind politische Rahmenbedingungen notwendig, um nachhaltige Infrastrukturen zu fördern und neue Maßstäbe für Wohlstand zu etablieren.

Stadt und Land

Ein Großteil der Weltbevölkerung wird künftig in urbanen Räumen leben. Städte stehen dabei vor großen Herausforderungen wie steigendem Ressourcenverbrauch und Flächenbedarf, bieten zugleich aber wichtige Räume für Innovationen und neue Lebensweisen. Nachhaltige Stadtentwicklung verbindet ökologische Ziele, soziale Teilhabe und die Berücksichtigung lokaler Besonderheiten. Technologische Ansätze wie klimafreundliche Energieversorgung oder digitale Mobilität können den Wandel unterstützen, müssen jedoch in umfassende gesellschaftliche Konzepte eingebettet sein. Beispiele aus Städten weltweit zeigen, dass sowohl High-Tech- als auch einfache, lokal angepasste Lösungen wirksam sein können. Nachhaltige Entwicklung in ländlichen Regionen gelingt vor allem durch die Stärkung regionaler Wirtschaftskreisläufe, etwa in Landwirtschaft, Handwerk und Energieversorgung, sodass Wertschöpfung vor Ort bleibt. Wichtig sind zudem gute Infrastrukturen wie öffentlicher Verkehr, digitale Netze und Nahversorgung, um Lebensqualität zu sichern.

Ressourcen

Die Ressourcenwende ist neben der Energiewende eine wesentliche Herausforderung auf dem Weg zu einer nachhaltigen Gesellschaft und zielt auf einen deutlich geringeren Verbrauch natürlicher Rohstoffe ab. Ein wichtiger Ansatz ist die Kreislaufwirtschaft, bei der Materialien möglichst lange genutzt und wiederverwertet werden.

Entscheidend ist ein „Circular Design“, das Produkte von Anfang an langlebig, reparierbar und recycelbar macht. Gleichzeitig erschweren technische und wirtschaftliche Hürden die Umsetzung. Digitale Technologien können dabei helfen, Stoffströme besser nachzuvollziehen und Recycling zu verbessern, beanspruchen jedoch selbst ebenfalls Ressourcen wie seltene Erden und Energie. Nur mit bewussterem Umgang mit Ressourcen (Suffizienz), Innovationen (Effizienz) und angepassten Rahmenbedingungen bei der Herstellung, Nutzung und Wiederverwertung (Konsistenz) kann die Ressourcenwende gelingen.

Mobilität

Mobilität ist eine Grundlage moderner Gesellschaften, ist aber gegenwärtig mit hohen CO₂-Emissionen verbunden. Ansätze zur Reduktion der klimaschädlichen Auswirkungen sind die Vermeidung von Verkehr, die Verlagerung auf nachhaltigere Verkehrsmittel wie Bahn, ÖPNV sowie Rad- und Fußverkehr und die Verbesserung bestehender Technologien. Eine wichtige Rolle spielt dabei die Stadtplanung, etwa durch kurze Wege und neue Arbeitsformen, die Verkehr reduzieren können. Technologische Entwicklungen wie Elektromobilität und digitale Mobilitätsangebote können den Wandel unterstützen, wenn sie in nachhaltige Gesamtkonzepte eingebettet sind.

Ernährung

Eine nachhaltige Ernährungsweise ist entscheidend für das Erreichen globaler Nachhaltigkeitsziele, da Ernährung einen großen Anteil am Ressourcenverbrauch hat und sich auf die menschliche und planetare Gesundheit auswirkt. Instrumente wie der Nutritional Footprint machen Umwelt- und Gesundheitswirkungen von Lebensmitteln sichtbar und unterstützen bewusste Entscheidungen. Landwirtschaftliche Produktion trägt weltweit zum Flächenverbrauch, Biodiversitätsverlust und Klimawandel bei.

Entwicklungen wie ein sinkender Fleischkonsum und ein wachsendes Interesse an regionalen und pflanzlichen Alternativen zeigen positive Veränderungen. Für eine umfassende Ernährungswende braucht es sowohl individuelle Verhaltensänderungen als auch passende politische und wirtschaftliche Rahmenbedingungen.

Energie

Die Energiewende ist ein Schlüssel der Transformation hin zu einer klimaneutralen Gesellschaft und verfolgt das Ziel, die Energieversorgung langfristig zu dekarbonisieren. Sie basiert auf dem Ausbau erneuerbarer Energien, der Steigerung von Energieeffizienz sowie einem bewussteren Umgang mit Energie im Sinne der Suffizienz. In Deutschland wurden bereits Fortschritte erzielt, insbesondere im Stromsektor, während in den Bereichen Wärme und Verkehr weiterhin großer Handlungsbedarf besteht. Eine zentrale Herausforderung liegt in der sogenannten Sektorkopplung, also der stärkeren Verknüpfung von Strom, Wärme, Mobilität und Industrie, wodurch der Energiebedarf insgesamt steigen kann. Neben technologischen Entwicklungen spielen auch wirtschaftliche, politische und gesellschaftliche Rahmenbedingungen eine entscheidende Rolle für den Erfolg der Energiewende.

Industrie

Energieintensive Grundstoffindustrien wie Stahl, Chemie oder Zement spielen eine wichtige Rolle für Wirtschaft und Gesellschaft, verursachen aber zugleich erhebliche CO₂-Emissionen. Ziel ist es, industrielle Wertschöpfung innerhalb ökologischer Grenzen zu ermöglichen, insbesondere durch Dekarbonisierung und den Aufbau einer Kreislaufwirtschaft. Wichtige Ansätze sind die Nutzung erneuerbarer Energien und Wasserstoff, der Einsatz neuer Materialien sowie die Entwicklung kreislauffähiger Produkte. Auch die Digitalisierung kann dazu beitragen, Prozesse effizienter zu gestalten und Stoffkreisläufe besser zu organisieren. Neben technologischen Innovationen sind auch wirtschaftliche Anpassungen und geeignete politische Rahmenbedingungen erforderlich, um Wettbewerbsfähigkeit und Nachhaltigkeit miteinander zu verbinden.

Einsatz in der Lehre

Die Lehrbausteine und die Methodensammlung können in unterschiedlichen Fachbereichen eingesetzt werden. Sie unterstützen Lehrende dabei, Aspekte von BNE niederschwellig, fachbezogen und praxisnah in ihre Lehre einzubinden. Damit bieten sie eine konkrete Ressource für die Lehramtsausbildung an der LMU. Dozierende erhalten Materialien, mit denen Nachhaltigkeit nicht zusätzlich, sondern sinnvoll und integrativ im jeweiligen Fachkontext aufgegriffen werden kann.

Gemeinsam Zukunft gestalten

Das Projekt möchte dazu beitragen, BNE in der Lehrkräftebildung sichtbar, anschlussfähig und umsetzbar zu machen. Es lädt dazu ein, Nachhaltigkeit als gemeinsamen Bildungsauftrag zu verstehen und in der Lehre lebendig werden zu lassen.

Durch die Verbindung von fachlicher Expertise, didaktischer Aufbereitung und einer klaren Orientierung an aktuellen Nachhaltigkeitsrahmen entstehen Materialien, die Lehrende in ihrer Arbeit konkret unterstützen.